Stellungnahme zur Forsteinrichtung

Stellungnahme zur Forsteinrichtung

Stellungnahme der BUND Kreisgruppe Essen zur Forsteinrichtung Essen 2019

Der Entwurf der neuen Forsteinrichtung für die städtischen Waldflächen spiegelt deutlicher als vorhergehende Betriebspläne die ökologische Bedeutung des Essener Stadtwaldes und die Erfordernisse einer nachhaltigen Behandlung wider.

Der BUND begrüßt die Übernahme der für die Workshops 2015 formulierten Frage

„Wie viel Nutzung verträgt der Wald ohne Schaden zu nehmen?“

(wobei unter „Nutzung“ nicht nur die forstliche sondern auch die Aktivitäten des Sports, der Erholung und der Pädagogik zu verstehen sind).

Besonders positiv ist hervorzuheben,

  • dass der natürlichen Waldentwicklung mehr Raum gegeben wird durch die Vermehrung der „Naturwaldentwicklungsflächen“ (NWE) von ca. 9% auf 14% der Holzbodenfläche;

  • dass auf Flächen von insgesamt mehr als 70 ha der hier normalerweise dominanten Buche wieder die Möglichkeit eingeräumt werden soll, auch die natürliche Entwicklungsphase (Optimalphase) eines „Buchenhallenwaldes“ zu erreichen;

  • dass in die meisten Bestände nur noch 1x im Jahrzehnt eingegriffen werden soll;

  • dass durch intensivere Informationen in der Öffentlichkeit mehr Verständnis bewirkt werden soll für die natürliche Umgebung und auch mögliche Gefahren, insbesondere die Meidung der Totholzbereiche;

  • dass das Habitatbaumkonzept auch weiterhin fortgeschrieben werden soll.

 

Der BUND ist überzeugt, dass diese Planung die Biodiversität im Wald ebenso wie die natürliche Anpassung an den Klimawandel und auch das Erleben im Rahmen der ruhigen Erholung fördert.

Es wird hingegen bedauert, dass es anscheinend technisch zu aufwändig ist, die neu hinzukommenden NWE-Flächen auch kartographisch erkennbar zu machen.(So würde erkennbar, dass tatsächlich Flächen zusätzlich ausgewiesen werden sollen.)

Ganz besonders aber fehlt auch in diesem Werk eine datenmäßig gestützte Darstellung, welche Faktoren zu den schlimmsten Auswirkungen des Pfingststurms „Ela“ geführt haben. Der einfache Hinweis, dass es die Altbestände besonders getroffen habe, ist dafür nicht ausreichend. Die Schlussfolgerung, dass Bäume ab einem bestimmten Alter zu beseitigen seien, um zukünftige Sturmschäden geringer zu halten, ist dann sehr naheliegend, würde aber mögliche andere Einflussfaktoren von vorneherein außer Acht lassen. Der Zuwachs in der höchsten Altersklasse von Buche und Eiche spricht bereits dagegen! Schon im Sommer 2014 wurde darum gebeten, den Zusammenhang zwischen Schadensmenge - Baumart – Baumalter – Standort (Kuppe, Hang, Ebene, Waldrand) und Hauptwindrichtung während des Sturmes zu analysieren, um daraus ggfls. Schlussfolgerungen für zukünftige Waldbehandlungen und evtl. Gefahrenabschätzungen zu ziehen. Die genannten (und zweifellos vorhandenen) Forstdaten untereinander und in Verbindung mit den Wetterdaten vom 9.6.2014 zu korrelieren, wäre ohne Zweifel möglich (dabei Schadensdaten in Volumen aufschlussreicher als in Fläche) und wurde von den Untersuchungen „BaumAdapt“ und „Windrisk“ erwartet aber offensichtlich nicht durchgeführt.

Als zusätzlicher Faktor wäre die Einbeziehung des zeitlichen Abstands zum letzten forstlichen Eingriff zu berücksichtigen gewesen.

Die mit zusätzlichem Energieeinsatz (Beseitigung konkurrierender Bäume) verbundene Förderung der hier ursprünglich nicht dominanten Lichtbaumart Eiche wurde bisher kritisch gesehen. Angesichts der rasant fortschreitenden Klimaveränderung, mit der natürliche Anpassungsprozesse im Wald vermutlich nicht mehr Schritt halten können (siehe die derzeitigen verheerenden Trockenschäden bei der Buche) wird die Eichenförderung als Maßnahme zur Stabilisierung der Waldökosysteme positiver beurteilt. (Wieweit auch hier die aktuelle Kalamität Eichenprozessionsspinner zu berücksichtigen ist, bleibt zu diskutieren.) Sie ist unbedingt der Einbringung hier nicht heimischer Arten vorzuziehen.

Die Weißtanne wird als Ersatz für die Fichte, die für unsere Region eindeutig ungeeignet ist, in dieser Hinsicht (nicht heimisch) zurückhaltend gesehen. Im Rahmen einer sehr begrenzten Erhöhung des Nadelholzanteils wäre ihre Einbringung als Experiment zu sehen und müsste dokumentiert werden.

Das seit Frühjahr 2018 bestehende Niederschlagsdefizit und der anscheinend fortschreitende Wetter-(Klima-) wandel haben auch im Wald ihre Spuren hinterlassen (z.B. Absterben der Buche). Dies konnte bei der zuvor erfolgten Wald-Betriebsinventur (Bestandserhebung / Datenerfassung für die Forsteinrichtung) im Jahr 2017 noch nicht berücksichtigt werden. Der BUND geht davon aus, dass die absterbenden bzw. abgestorbenen Bäume, sofern sie aus dem Wald entfernt und einer weiteren Nutzung zugeführt werden, auf die jährliche Entnahmemenge angerechnet werden.

Die deutliche Wetterveränderung in den letzten 1,5 Jahren und die vielerorts immer noch vorhandene starke Luftbelastung erfordern auch die Aufforstung zusätzlicher, neuer Waldflächen. In diesem Zusammenhang sei an das Waldentwicklungsprogramm Essener Norden (WEN), dass 1988 vom Rat beschlossen wurde, erinnert. Dieses konnte nur in Teilen umgesetzt werden.

Der BUND sieht aktuell die Notwendigkeit für die Aufstellung und Umsetzung eines neuen Waldentwicklungsprogramms für ganz Essen. Insbesondere größere, zusammenhängende Waldflächen fehlen in vielen Bereichen der Stadt. Nur diese können entsprechende ökologische Qualitäten entfalten und lokal besonders klimawirksam sein.