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BUND-Kreisgruppe Essen

"Verbietet das Bauen"

Buchrezension "Verbietet das Bauen" von Daniel Fuhrhop

192 Seiten, oekom verlag München, 2015

ISBN-13: 978-3-86581-733-4

Erscheinungstermin: 24.08.2015

Preis: 17,95 €

„Öffentlicher Raum ist gestaltbar“, sagte ein Freund letztens zu mir! Recht hat er, doch wer gestaltet unsere Städte, mit welcher Notwendigkeit und welcher Absicht? Daniel Fuhrhop stellt in seinem Buch viele vermeintliche Notwendigkeiten infrage: Brauchen wir bei einer schrumpfenden oder bestenfalls gleich bleibenden Einwohneranzahl immer neuen Wohnraum? Ist Neubau immer kostengünstiger als die Sanierung alter Gebäude? Ist die jetzige Förderung unseres sozialen Wohnungsbaus noch zielführend? Sind (neue) Energiesparhäuser immer effizienter als Altbauten? Sind unsere Häuser und Stadtviertel auch wenn sie „alt“ und „unmodern“ sind, nicht auch Teil unserer Geschichte und Identität? Welche Umweltkosten in Bezug auf globale und lokale Klimaeffekte, Flächenverbrauch und Mobilitätsprobleme gehen mit Neubauten einher?

Auch hier bei uns in Essen interessieren diese Fragen längst nicht mehr nur Stadtplaner und Investoren. Mit der Umgestaltung des Kruppgürtels soll mitten in unserer Stadt gar gleich ein neuer Stadtteil („Essen 51“) entstehen: Zwischen Berthold-Beitz-Boulevard, Pferdebahn und Helenenstraße wird für mindestens 1 Milliarde Euro gebaut: 12.000 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen entstehen im Krupp-Gürtel, mindestens 1500 Wohnungen sollen gebaut werden.
Aber auch bei „kleineren“ Bauprojekten entstehen Bürgerinitiativen mit vielen Fragen: So z.B. zu den Plänen zur siebengeschossigen(!) Bebauung des Messeparkplatzes mitten in Essen-Rüttenscheid, wo selbst Klaus Wermker, ehemaliger Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Mitglied der Bürgerinitiative, erheblichen Gesprächsbedarf sieht. Ein gesteigertes Interesse an echter Bürgerbeteiligung wird die Folge sein: Bürger*innen werden genau hinschauen, was am Ende von ihren Ideen in der Umsetzung auch berücksichtigt wird.

Unter dem folgenden Link der Stadtverwaltung kann sich übrigens jede/r Bürger*in über aktuelle Bauvorhaben in Essen informieren:

https://www.essen.de/leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/Aktuelle_Planungen_Start.de.jsp

Zu den vielfältigen Fragen und Überlegungen, die auch wir hier in Essen haben, liefert Fuhrhop zahlreiche Beispiele und noch mehr kreative Ideen, die in der Summe auch der Idee der „Transition-Town“-Bewegung folgen: Lokale, individuelle und kreative Lösungen mit und für die Menschen zu finden, die dort wohnen oder dort wohnen wollen. Dass der Titel nicht nur provokant ist, belegt der Sachverständigenrat der Bundesregierung: Er fordert in seinem Umweltgutachten 2016 den Flächenverbrauch bis 2030 als „Netto-Null-Hektar-Ziel“ fortzuschreiben.

Die Schwäche des Buches ist dabei zugleich seine Stärke: Zwar werden sicherlich speziell vorgebildete Gruppen, wie Stadtplaner, Bauingenieure, Kommunal-Politiker, oder Naturschützer Kritikpunkte finden, die aus ihrer Sicht berechtigt sind. In der Summe gelingt Fuhrhop aber die Quadratur des Kreises;  Er bietet nicht nur ein sachreiches, sondern auch (im besten Sinne) populäres, gut lesbares und witziges Buch.

Fazit: Daniel Fuhrhop hat mit seinem Buch „Verbietet das Bauen“ ein Fanal gesetzt, das dem Paradigma „Bauen ist gut und notwendig“ vielfache kreative Ideen entgegensetzt. Lesenswert!

Martin Kaiser / BUND Essen

Daniel Fuhrhop im Interview: https://vimeo.com/170101888

 

 

 

 

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