BUND-Kreisgruppe Essen

Interview mit Maike Wissing

 (Martin Kaiser)

Maike, wie bist Du zum Engagement beim BUND gekommen? Gab es einen konkreten Anstoß oder ist das eine längere Entwicklung gewesen? Und wo bist du derzeit aktiv?

Zugegebenermaßen hatte ich seit Beginn meines Studiums, also vor mittlerweile acht Jahren, vor, mich ehrenamtlich im Naturschutz zu engagieren. Ich habe mich schon immer für die Natur begeistert, aber irgendwie hat mir immer der letzte Anstoß gefehlt. Diesen letzten „Schubser“ hat mir Andreas gegeben, kurz nachdem ich vor 1 ½ Jahren nach Essen gezogen bin. Er selbst ist schon seit Jahren aktives Mitglied in der Kreisgruppe Essen und hat mich einfach eingeladen mal zu einem AG-Treffen mitzukommen. Seit diesem Tag bin ich Mitglied in der AG Wasser und engagiere mich zusätzlich in der AG Zero Waste und in der AG Mitgliederbefragung.

Die AG Wasser hat am Deilbach in diesem Winter einen konkreten Erfolg errungen, indem eine größere Rodung verhindert werden konnte. Wie geht es dort weiter?

Der Deilbach wird kurz hinter den Stadtgrenzen von Essen noch in diesem Jahr naturnah umgestaltet. Mit der AG Wasser planen wir eine Exkursion zur Maßnahmenfläche, bei der wir die Renaturierungsmaßnahme näher erläutern. Außerdem nehmen wir die naturnahe Umgestaltung zum Anlass, den Deilbach von Müll und Unrat zu befreien. An zwei Aktionstagen möchten wir mit möglichst vielen weiteren helfenden Händen den angespülten Müll im Uferbereich sammeln.

Auf Initiative "deiner"AG hat sich der Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde mit einem umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung gewandt, um herauszufinden, was sich in den letzten mehr als 20 Jahren bei der Renaturierung von Gewässern getan hat. Wie ist der Stand?

Die Stadt hat zahlreiche Konzepte für die naturnahe Entwicklung von Fließgewässern, sogenannte KNEF. In diesen KNEF sind Maßnahmen für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer in Essen aufgeführt. Ein Teil dieses Fragenkatalogs zielt darauf ab, Einsicht in die KNEF zu bekommen, damit insbesondere wir als AG Wasser abschätzen können, welche Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten umgesetzt wurden und welche nur in der Schublade geschlummert haben. Natürlich ist es auch durchaus möglich, dass eine vor 20 Jahren gut überlegte Maßnahme heute durch z. B. ein angrenzendes Wohngebiet nicht mehr umsetzbar ist.

Auf die Herausgabe der KNEF warten wir seit nunmehr über einem halben Jahr.

Du bist Limnologin, hast nach dem Studium in einem Planungsbüro gearbeitet und bist seit kurzem bei einem großen Zweckverband im Wasserbereich angestellt. Was macht eine Limnologin?

Eine Limnologin beschäftigt sich mit Süßwasserökosystemen – also einfach gesagt mit Bächen, Flüssen und Seen und den darin lebenden Tieren und Pflanzen. Heute sind alle diese Ökosysteme mehr oder weniger durch den Menschen beeinflusst. Insbesondere im nördlichen Ruhrgebiet hat der Mensch in den letzten 150 Jahren stark in die Natur eingegriffen und einen Großteil der Bäche und Flüsse zu Abwasserkanälen ausgebaut. Mit Renaturierungen – oder in abgeschwächter Form: der ökologischen Verbesserung – wird nun an vielen Stellen versucht, unseren Fließgewässern ihre natürliche Form wieder zurückzugeben.

In vielen Köpfen ist der „Wiesenbach“ als natürliches Gewässer verankert. Tatsächlich gäbe es ihn natürlicherweise gar nicht. Welche Bedeutung kommt der Vermittlung von Wissen um den natürlichen Zustand von Gewässern in der Bevölkerung zu, wenn es endlich an die Renaturierung geht? Was tut der BUND Essen?

Ja das stimmt, denn natürlicherweise wäre Deutschland überwiegend mit Wald bestanden. Wiesen wiederum gibt es nur durch den Landwirt, der sie regelmäßig mäht. Andernfalls würde auch hier mit der Zeit Wald entstehen. Bäume an Fließgewässern sind sehr wichtig, weil sie dem Gewässer Struktur geben, Totholz und anderes natürliches Material eintragen und vor allem auch Schatten spenden und sich das Wasser nicht so stark aufheizt. Dieser Aspekt wird gerade mit Blick auf den Klimawandel immer wichtiger. Das bedeutet jedoch leider häufig auch, dass der renaturierte Bach weniger erlebbar für die Bevölkerung wird, da er hinter den Bäumen quasi „verschwindet“. Umso wichtiger ist es Bäche durch Exkursionen und Infoveranstaltungen, wie unseren Gewässerschauen, erfahrbar zu machen. Es gibt einfach nicht DEN natürlichen Bach, denn jeder Bach wird durch den Untergrund, über den er fließt, und sein Umfeld stark beeinflusst.

Die AG Wasser hat vergleichsweise viele Mitglieder und noch dazu etliche vom Fach. Wieso? Und welche Erfahrung nimmst Du aus der „AG Mitgliederbefragung“ mit, an der du ja auch mitgewirkt hast?

Ich glaube, dass viele Menschen so wie ich einen kleinen Anstoß, durch eine/n Bekannte/n oder einfach eine persönliche Ansprache benötigen, um den Schritt zu wagen, einmal (alleine) zu einem ersten Treffen zu gehen. Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, bleibt man viel eher dabei und engagiert sich selbst in einer Arbeitsgruppe. Bei uns in der AG Wasser gibt es tatsächlich momentan viele Aktive vom Fach, ich persönlich finde es aber mindestens genauso wichtig auch andere Blickweisen auf unsere Gewässer zu bekommen und nicht nur durch die „Experten“-Brille zu gucken. Denn nichts ist schlimmer, als eine Exkursion für Jedermann voller Fachchinesisch. Alle Wasserinteressierten sind bei uns in der Gruppe willkommen und jeder kann sich mit seinen persönlichen Erfahrungen einbringen.

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