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BUND-Kreisgruppe Essen

AG Wasser mit „Gewässerschau“ am Wolfsbach

02. April 2020

Nachbetrachtungen zu unserer 3. Tour am Freitag, 06.03.2020

 (Martin Kaiser)

Bereits zum dritten Mal startete die AG Wasser am 06.03.2020 ihre „Gewässerschau“. Nach der Berne im Norden stand nun der Wolfsbach im Süden der Stadt auf dem Programm. Von Bredeney ging es hinab ins Ruhrtal, immer entlang des ca. 80 Jahre alten Abwasserkanals, den die Stadtwerke aktuell in einer aufwändigen Maßnahme sanieren bzw. neu bauen. „Das stand schon seit den 1990iger Jahren an“, erklärte Andreas Bolle, als sachkundiger Führer der AG Wasser die Ausgangslage. Damals hätte man das Projekt noch in offener Bauweise verfolgt. Dabei wäre entlang der Strecke hinab ins Tal wenig vom Wald und der Aue übriggeblieben. Heute arbeitet man überwiegend im sog. bergmännischen Vortrieb, was die dauerhaften Eingriffe in die Natur auf wenige Schächte begrenzt. Eines der dazu erforderlichen bis zu 35 Meter tiefen „Löcher“ stand am Beginn der Tour. Von Schacht zu Schacht bohren Spezialmaschinen von dort voran durch den Untergrund. In diesem primär für den bergmännischen Bau der Kanäle erforderlichen „Loch“ soll in Zukunft die Rückhaltung erfolgen, die von zentraler Bedeutung für den Gewässerschutz ist. Ein Eingriff, doppelter Nutzen.

Einige Teilnehmende wohnten im umliegenden Stadtteilen und wussten noch aus historischer Sicht zu berichten, dass der Wald jünger ist als der Kanal, der vor 80 Jahren noch durch Grünflächen führte. Neben der Kanalbauweise wurden insbesondere die sich damit ergebenden ökologischen Verbesserungen ins Visier genommen, erlaubt doch ein leistungsfähiger Mischwasserkanal den Bach wieder naturnäher zu gestalten. Maike Wissing, als Limnologin vertraut mit Lebewesen in Fließgewässern, erläuterte fachkundig wie ein Aspekt dieser Lebendigkeit aussieht: „Durchgängigkeit“ für alles was im Bach „kreucht und fleucht“ und den Bach auf der gesamten Länge besiedeln will, war das Stichwort. Dabei sind eben nicht nur Querbauwerke, sondern Verrohrungen ohne Sedimente und Teiche ohne Strömungsimpuls für viele Bachlebewesen ein Problem, erfuhren die Teilnehmenden. Neben der Herstellung der Durchgängigkeit durch Beseitigung von Verrohrungen, Wegen und eines Dammes quer zum Tal werden auch die zeitweilige Speicherung von Wasser im Regenrückhaltebecken und die Verringerung der (generell nicht gänzlich zu vermeidenden) Abschläge aus dem Mischwasserkanal in den Bach für Verbesserungen sorgen. So wird die unnatürlich häufige Verdriftung von Bachlebewesen wesentlich verringert.

Aber schon ging es weiter bergab ins Tal, wo bestehender Wald an einem alten Regenüberlaufbecken sogar gerodet wird. Das in den Hang gebaute Becken muss beseitigt werden und es stellte sich die Frage, ob man in diesem Zuge dem Bach wieder mehr Raum gibt. „Ein Abwägungsprozess.“, erklärte Andreas Bolle. „Es wurde in der Planungsphase lange diskutiert, aber letztlich fiel die Entscheidung zugunsten des Baches und die gehölzbestandene Böschung wird um etliche Meter zurückversetzt. Neuer Wald wird entstehen, wo sich derzeit noch das alte Becken befindet.“

In der sich talabwärts anschließenden Aue war dann deutlich mehr Raum für den Bach, was sich auch in der mäandrierender Laufform ausdrückt. Aus zurückliegenden Rodungen lag schon jede Menge Totholz in der Aue bereit, das zum Abschluss der Baumaßnahmen zur Strukturanreicherung in den Wolfsbach soll. „Dieser Strukturreichtum ist wichtig, vor allem weil viele Arten gerade dieses Totholz besiedeln. Zuviel kann es davon kaum geben“, erklärte Bolle. Das Prinzip erinnerte manche Teilnehmende daran, ihren Garten wieder etwas weniger ordentlich und damit strukturreicher zu gestalten. „Vielfalt für mehr Lebendigkeit“ war dann fast schon ein politisches Thema, aber so weit wollte die kleine Gruppe am Ende nicht gehen: Stattdessen klang der allseits gelobte fachliche Input in geselliger Runde im Restaurant „12 Apostel“ kulinarisch aus. Und für die nächste Tour in die Gewässer des Schellenberger Waldes gab es bereits die ersten Anmeldungen. Einige fotografische Impressionen der Wolfsbach-Tour sehen Sie hier.

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