Echt nicht notwendig!

11. August 2025

Realsatire: ordnungswidriges Parken künftig nicht mehr „notwendig“ … sagt die Stadt...

Konzepte sind angesagt in Essen. Waren es schon immer. Und mindestens drei Ruhruferkonzepte hat es schon gegeben. Und Vertiefungsstudien ...

Aktuell beraten die politischen Gremien einen Vorschlag zur Situation bei Haus Scheppen. Dort, so die kommunalen Vorstellungen, soll das Umfeld im Kontext der Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027.
(kurz: IGA 2027) in drei Teilabschnitten aufgewertet werden.

„Ordnungswidrigkeiten beim Parken sollen nicht mehr notwendig sein“

Haus Scheppen, das ist seit Jahrzehnten eines der großen Ärgernisse am Baldeneysee. Natürlich nicht das historische Gebäude mit Hafen, sondern der Motoradtreff mit einem Imbiss an einem im Grunde ungeeigneten Ort. Das teils extreme Aufkommen an Motorradfahrern (angeblich wurden schon bis zu 3.000 an einem Tag gezählt) führt seit Jahrzehnten zu Problemen mit fahrendem wie ruhendem Verkehr.

In 2024 fand zur Lösungsfindung ein aufwendiges Bürgerbeteiligungsverfahren statt, aus dem die Stadt gleich zehn zentrale „Anforderungen“ abgeleitet hat.

Nur als Realsatire begreifbar ist die fünfte Anforderung: „Ordnungswidrigkeiten beim Parken sollen nicht mehr notwendig sein“, so hat es die Stadt aufgeschrieben. Die Stadt Essen als Ordnungsbehörde bezeichnete also tatsächlich Ordnungswidrigkeiten in einem offiziellen Papier als „notwendig“! Dann kann ja keine Schuld vorliegen.

Anforderungen mit Tiefgang

Da können die anderen „Anforderungen“ ja nur besser werden und zeigen, dass sich der sehr hohe Aufwand gelohnt hat. Oder?

Die „Anforderungen“ an die Umgestaltung ungekürzt:

  1. Der Motorradtreff muss bleiben.
  2. Der Ruhrgebietscharme der Buden, das günstige und gute Essen, die „Trinkhallenkultur“, sollen erhalten bleiben.
  3. Die Identität des Ortes „Motorradtreff“, Ort für Wassersport, Platz am Wasser darf nicht verloren gehen.
  4. Die Parksituation auf den oberen Parkplätzen muss verbessert werden. Dort sollten am besten alle Autos parken.
  5. Ordnungswidrigkeiten beim Parken sollen nicht mehr notwendig sein. Das Parken im Umfeld der Motorradtreffs muss verbessert werden.
  6. Das Zustellen von Rettungswegen, Einfahrten Haus Scheppen und dem Anleger der weißen Flotte muss unterbunden werden.
  7. Die „gefühlten“ Gefahren durch den Verkehr sollen minimiert werden. (Laut Aussagen der Polizei liegt hier kein Unfallschwerpunkt vor).
  8. Es sollen mehr Aufenthaltsflächen für Familien geschaffen werden z. B. Spielplatz.
  9. Es sollen Orte im Grünen entstehen, die vor allem am Wasser von allen genutzt werden können.
  10. Die bestehende Toiletten-Situation soll verbessert werden.“

So wissen wir wenigstens, dass die Verfasser:innen an der Bude gegessen und den Imbiss für „günstig und gut“ befunden haben.

Tröstlich, dass es natürlich ein typisches Essener Konzept ist: Drei der elf geplanten Maßnahmen sollen zur IGA 28 fertig sein, vier „nach 2027“ (also theoretisch irgendwann mal) und weitere „langfristig“ (also praktisch eigentlich niemals).

Den ganzen Spaß gibt es hier.

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