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BUND-Kreisgruppe Essen

Interview mit unserem neuen Beiratsmitglied

13. Dezember 2018

"Und von „Glaube, Liebe, Hoffnung“ brauchen wir auch die „Hoffnung“. Die gebe ich nicht auf!"

Hallo Martin, Du bist unser neuer Vertreter des BUND im Beirat der Unteren Naturschutzbehörde. Wie bist Du dazu gekommen?

Marie-Rose Joos ist nach langer Zeit von dieser Funktion zurückgetreten. Daraufhin hat mich der Vorstand gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Nach einigem Zögern habe ich dann zugestimmt.

Welche Aufgaben hat der Beirat?

Laut Naturschutzgesetz sollen wir der Verwaltung in Bezug auf Natur und Landschaft Anregungen geben, in der Öffentlichkeit Ziele vermitteln und „Fehlentwicklungen“ entgegenwirken.

Wie war die erste Sitzung für Dich?

Eigentlich zwiespältig. Als „Neuer“ hat man ja manchmal eine etwas andere Sicht auf etablierte Dinge: Zum Beispiel, die vielen Formalia, aber auch der für mich spürbare Frust, als Naturschutzverbände nur eine beratende Stimme zu haben oder auch mitzubekommen, welche unterschiedlichen Zielrichtungen in der doch ziemlich großen Runde bestehen. Letztlich muss ich erst einmal weiter zuhören, um meinen Platz dort zu finden und an der einen oder anderen Stelle hilfreich sein zu können.

Wie bist Du überhaupt zum Naturschutz gekommen?

Eine meiner frühesten Erinnerungen oder besser Erkenntnisse hatte ich mit ca. neun Jahren. Damals begriff ich den Kreislauf des Atmens zwischen Bäumen und Menschen. Das hat mich sehr erstaunt. Aus dem Staunen bin ich dann eigentlich nie mehr raus gekommen... In den 80igern hingen dann in meiner ersten Wohnung neben dem Surfbrett alle Poster der „Grünen“. Deren Engagement für die Natur und die Prognosen z.B. des „Club of Rome“ (die ja heute wieder brandaktuell sind) hat mich angesprochen.

Seit wann bist Du in der BUND-Kreisgruppe aktiv?

Seit knapp drei Jahren. Ich war davor, teilweise schon seit Jahrzehnten, passives Mitglied in verschiedenen Naturschutzverbänden (Greenpeace, BUND, NABU). Dann hat eine Reise durch China mit seinen Megastädten mir gezeigt, was ein rücksichtsloser Raubbau an Natur anrichten kann: Keine saubere Luft zum Atmen, kein sauberes Wasser zum Trinken; der Sand wird knapp, weil so viel gebaut und versiegelt wird. Danach war Heimat für mich: Blauer Himmel, grünes Gras und die Möglichkeit, auf der Straße meine eigenen Schritte zu hören. Das fand ich dann plötzlich alles nicht mehr selbstverständlich, sondern schützenswert.

Hast Du im Naturschutz eher einen pragmatischen Ansatz oder willst Du gleich die ganze Welt retten?

Keine ganz einfache Frage. Also erst mal denke ich, sind meine Kräfte, meine Fähigkeiten und meine Lebenszeit begrenzt. Da braucht es dann eben viele, um etwas zu bewegen. Also eher: Jeder an seinem Platz das Beste geben. Und von „Glaube; Liebe; Hoffnung“ brauchen wir auch die „Hoffnung“. Die gebe ich nicht auf!

Das ist jetzt sehr allgemein formuliert, geht’s etwas konkreter?

Ja, stimmt schon; Das ist eher so meine Grundeinstellung, die es ja aber auch braucht, um sich einer „Haltung“ bewusst zu sein. Konkret sehe ich halt in der Lokalpolitik, oder im örtlichen Naturschutz, gute Möglichkeiten sich einzubringen. Im besten Fall sind lokal gesehen konkrete Fortschritte eher erreichbar, als z.B. auf Bundesebene. Ich denke der Naturschutz täte gut daran, weiter Prioritäten zu setzen, weil es eben auch andere Interessen gibt, die Menschen umtreibt, z.B. soziale Bedingungen zu verbessern. Spannend wird es halt da, wo z.B. Menschenrechte auf Naturschutzbelange treffen. Da geht es ohne Kompromisse nicht. Es dürfen halt nur keine faulen Kompromisse sein ...

Gibt es etwas, für das Du Dich besonders einsetzen möchtest?

Ja, da gibt es vieles, das mich interessiert und das ich wichtig finde: Stadtentwicklung; Bürgerbeteiligung, Mobilität, Energiepolitik, um nur einiges zu nennen. Zur Zeit bin ich Mitglied der Wassergruppe, die sich für eine gute Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie hier in Essen einsetzt. Darüber hinaus in einem Organisationsteam zur Fortbildung für den § 60 (Beteiligungsrecht der Naturschutzverbände, Die Redaktion), um wieder adäquate und hilfreiche Stellungnahmen schreiben zu können. Da muss man sich auch in die planerischen und behördlichen Strukturen einarbeiten. Das schafft man so nicht alleine, weil die Materie doch sehr komplex ist.

Apropos „Einarbeiten“; Du kommst jetzt beruflich aus einer anderen Richtung. Fällt es da schwerer sich eine Fachlichkeit zum Naturschutz zu erarbeiten?

Nee, das sehe ich nicht so. Zum einem habe ich die Mitstreiterinnen in der Kreisgruppe, die mich unterstützen, zum anderen ist meine Frau Biologin und in der Umweltbildung beruflich unterwegs. Da ergeben sich Diskussionen auch mal am Küchentisch oder bei Waldspaziergängen. Darüber hinaus denke ich, sollte eine demokratische Vertretung möglichst immer auch ein Querschnitt der Bevölkerung sein. Das ist es ja heute leider immer weniger. Im Bundestag sitzen, glaube ich, überwiegend Männer mit einem Jurastudium, aber z.B. nur eine Schweißerin...

Danke für das Gespräch und Dir alles Gute für Deine Arbeit. 

 

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