… die gute Nachricht: Sie müssen weder im Dunkeln grillen noch die Lichter komplett ausschalten. Schon kleine Veränderungen können helfen, die Lichtverschmutzung in Essen zu reduzieren. Und ganz nebenbei freut sich nicht nur die Natur, sondern oft auch der Geldbeutel.
Ihr Garten darf ruhig dunkel bleiben
Für rund 60 Prozent aller Tierarten beginnt das eigentliche Leben erst nach Sonnenuntergang: Sie sind nachtaktiv. Während wir schlafen oder die letzte Folge unserer Lieblingsserie schauen, sind Fledermäuse auf Insektenjagd, Igel emsig unterwegs und Nachtfalter fleißig unterwegs.
Zu viel Licht bringt diesen natürlichen Rhythmus jedoch durcheinander. Manche Tiere finden ihre Nahrung schlechter, andere verlieren die Orientierung oder wichtige Rückzugsorte, sodass sie verwirrt umherirren und oft sterben.
Warum Leuchten für Insekten keine gute Party sind
Was für uns wie eine hübsche Gartenleuchte aussieht, ist für viele Insekten eher eine Endlosschleife. Sie umkreisen das Licht stundenlang, verbrauchen dabei ihre Energiereserven und schaffen es oft nicht mehr zurück in ihren Lebensraum.
Das gilt nicht nur für den Sommer, sondern auch für den Winter: Insekten machen nicht einfach Pause. Viele überwintern gut versteckt in Stauden, Baumrinden oder Holzzäunen. Dauerhaftes Kunstlicht kann ihre Entwicklung beeinträchtigen – mit Folgen, die oft erst im nächsten Frühjahr sichtbar werden.
Diese 5 Tipps vermeiden Lichtverschmutzung
1. Beleuchten Sie nur das, was wirklich Licht braucht
Der ganze Garten muss nachts nicht aussehen wie ein Fußballstadion. Beleuchten Sie gezielt Wege oder Sitzplätze und vermeiden Sie Licht, das unnötig in den Himmel oder ins Beet abstrahlt.
2. Licht nur dann, wenn jemand da ist
Bewegungsmelder sind echte Alltagshelden. Sie sorgen für Sicherheit, sparen Strom und verhindern, dass die Gartenbeleuchtung die ganze Nacht Überstunden macht.
3. Warmweiß statt Kaltweiß
Beachten Sie die Farbtemperatur (Kelvin): Warmweiße LEDs mit 1.700 bis 2.200 Kelvin sind gemütlich für uns und deutlich angenehmer für Insekten als kaltweißes Licht.
4. Bodennahe Lampen überdenken, … am besten ganz vermeiden
Viele kleine Tiere leben direkt am Boden. Weniger Licht in Bodennähe bedeutet deshalb mehr Ruhe für Käfer, Spinnen und viele andere nützliche Gartenbewohner.
5. Erzählen Sie es weiter
Vielleicht schaut die Nachbarschaft ja auch lieber in einen schönen Sternenhimmel als auf eine hell erleuchtete Hecke. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist der Effekt für Natur und Klima.
Kleine Veränderungen haben eine große Wirkung
Niemand erwartet von Ihnen den perfekten Naturgarten. Aber jede und jeder kann etwas tun. Vielleicht schalten Sie die Außenbeleuchtung heute etwas früher aus. Vielleicht tauschen Sie beim nächsten Lampenkauf auf warmweißes Licht um ... und entscheiden sich bewusst für hochwertige Lichttechnik (die selten in Baumärkten angeboten wird) oder Sie stellen fest, dass der Garten auch ohne Dauerbeleuchtung ziemlich gemütlich und romantisch sein kann.
Machen Sie mit:
Schenken Sie der Nacht mehr Dunkelheit zurück!
Damit Insekten nicht die ganze Nacht im Kreis fliegen, Igel sich wieder ungestört auf den Weg machen und Fledermäuse erfolgreich jagen können. Die Natur in Essen wird es Ihnen danken – und der Sternenhimmel übrigens auch.
Jenseits Ihres Gartens…
… reichen diese 5 Tipps jedoch bei Weitem nicht aus.
Auch im öffentlichen Raum wird häufig zu Lasten von Menschen, Tieren und Pflanzen beleuchtet, oft durch Lichttechnik, die nicht der Beleuchtungsaufgabe und dem Standort entspricht.
Um unser Kulturgut „Sternenhimmel“ zu betrachten, müssen Sie z. B. zunächst die nächtliche „Lichtglocke“ überwinden, die sich Nacht für Nacht über die hell erleuchteten Städte und Kommunen des Ruhrgebiets legt.
Viel Wissen - wenig Handeln
Im öffentlichen Raum besteht das Problem – wie so oft – nicht in mangelndem Wissen: Die Stadt Essen hat sogar einen eigenen Leitfaden veröffentlicht.
Ebenso gibt es eine nahezu überbordende Fülle an Fachliteratur, die kaum noch Fragen offenlässt. Exemplarisch dafür steht ein Leitfaden des Bundesamtes für Naturschutz – BfN.
Konkretes Handeln und aktives Mitmachen
Die Herausforderung besteht heute weniger darin, neues Wissen zu gewinnen, sondern vielmehr darin, vorhandene Erkenntnisse konsequent in Planung, Verwaltung und Beleuchtungspraxis umzusetzen. Jede vermiedene oder besser geplante Lichtquelle trägt dazu bei, die Nacht wieder etwas dunkler zu machen – und damit Lebensräume zu schützen, Energie einzusparen und den Sternenhimmel wieder sichtbarer werden zu lassen.
Werden Sie deshalb aktiv, hinterfragen Sie Licht dort, wo es nicht wirklich nötig ist, und helfen Sie mit, die Nacht Schritt für Schritt wieder in ihren natürlichen Zustand zurückzubringen – sowohl in Ihrem Garten als auch im öffentlichen Raum der Stadt Essen!