BUND-Kreisgruppe Essen

„Transcity“ – Ein Vorzeigeprojekt in Essen, das keines ist.

16. November 2021

 (https://prezi.com/p/uud1gcny3dm8/transcity-1/))

Das „Transcity-Projekt“ macht gerade in Essen Furore in Presse und Social-Media-Foren (s. WAZ-Bericht).

Worum geht es? Vom 1. März 2021 bis August 2022 läuft das durch die Mercator-Stiftung mit 250.000 € geförderte Transcity-Projekt in Essen. Ziel der Initiatoren der Hochschule Rhein-Main ist die Senkung der Treibhausgas-Emissionen und die sozialräumliche Inklusion zweier unterschiedlicher Stadtteile. Als Partnerorganisation ausgewählt wurde bereits Altenessen mit dem KD 11/13. Als Partner im Essener Süden waren die Klima-Initiativen „Gemeinsam für Stadtwandel - Werden“ (GfS-Werden) und der Werdener Bürger und Heimatverein“ angefragt. Beide miteinander verbundene Vereinigungen lehnten nun ab. GfS-Werden hält das Projekt nach eingehender Vorstellung schlicht für nicht unterstützenswert und in Anbetracht der Vorgehensweise, der eingesetzten Mittel und bisherigen Kommunikation für nicht zielführend.

Nicht überzeugt hat insbesondere das Konstrukt einer „Klimabörse“ zwischen Altenessen und Werden. Gehandelt werden sollen „Klimazertifikate“ die der Stadtteil bezahlen soll, der mehr schädliche Klimagase produziert. Bezahlen sollen die Transferleistungen Sponsoren, die aber zur „Halbzeit“ des Projektes immer noch nicht gefunden sind. Die Initiatoren überlegen bereits, die umständlich ermittelten Transfer-Kosten zwischen den Stadtteilen dem städtischen Haushalt aufzubürden. „Ein sehr theoretischer Ansatz mit vorhersagbarem Ausgang – für sehr viel Geld, welches wir viel lieber in konkreten Klimamaßnahmen sehen würden“, so Martina Schmitz, die Sprecherin von GfS-Werden. „Wir machen uns da doch lieber selber auf den Weg in den Norden der Stadt, statt den Altenessenern über seltsame Umwege den klimafreundlichen Kühlschrank zu bezahlen“ (s. Titelbild). Gerade diese nur mittelbaren Maßnahmen helfen weder effektiv dem Klimaschutz noch einem Austausch zwischen den Stadtteilen auf Augenhöhe, wie sie von Transcity propagiert werden - so die Meinung der Klima-Initiative.

Diese hat sich mit ihrem Gründer Simon Wehden die Mühe gemacht, ihre Entscheidung ausführlich zu begründen, war allerdings über die Antwort auf den offenen Brief an Oberbürgermeister Kufen sehr enttäuscht. Lesen Sie hier den offenen Brief einer in der Klimainitiative engagierten Werdenerin und die Antwort der Stadt auf ihren Brief. Hier auch die ausführliche begründete Ablehnung der Klima-Initiative nach einer Anfrage durch die grüne Hauptstadt-Agentur. Die Bürgerin aus Werden hat übrigens noch eine Antwort auf die Antwort der Stadt formuliert. Ihr engagiertes Schreiben gibt es hier.

Kurz und knapp bringt es ein Leserbrief einer Essenerin in der WAZ auf den Punkt:
„Statt in „Klimazertifikate“ zu investieren, dessen Nutzen mehr als fragwürdig ist, sollte die Stadt Essen 250.000 € lieber in Projekte investieren, die sofort und ohne Umwege klimaschädliche Emissionen reduzieren. Bislang werden Projekte dermaßen aufgebauscht, dass am Ende kaum eine positive Wirkung für das Klima übrig bleibt. Millionen von Stiftungs- und Steuergeldern versanden in Studien, Forschungsprojekten und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die Stadtverwaltung. Dabei liegen die Lösungen seit Jahrzehnten auf dem Tisch - wir müssen sie nur endlich umsetzen! Stadtbegrünung und Entsiegelung, massiver Ausbau und Modernisierung des ÖPNV, Radwegenetz und nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung. Mit letzterer Maßnahme könnte sofort tonnenweise CO2 eingespart werden - aber wo kein Wille ist, da kein Weg.“ Marianne Steinmeyer 

Die BUND-Kreisgruppe wird weiter über den Fortgang des Projekts berichten.

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