Die erste Spinnenexkursion des BUND führte ins Deilbachtal, in dem die Kreisgruppe bereits viele Exkursionen durchgeführt hat.
Spinnen gibt es überall, auch in jeder Wohnung. Das war die zentrale Botschaft die Spinnenexperte Stephan Lauterbach den Teilnehmer*innen mitgab.
Viele Arten – viele Strategien
Mit Hinweisen wo und wonach zu schauen ist, wurden von Mondspinne über Trichterspinne und Finsterspinne (mit ihrem „wabigem“ Netz auf einem Türblatt) bis zur Rostroten Winkelspinne (die aus dem Fenster einer Ruine hervorgelockt wurde) zahlreiche Arten gezeigt, die die Vielfalt von Aussehen, Jagdverhalten und Fortpflanzung verdeutlichten. Fehlen durfte dabei natürlich auch nicht die weithin bekannte Gartenkreuzspinne. Diese wurde mit Mutter und ihrem Nachwuchs angetroffen, der in weiten Teilen erst im nächsten Jahr „erwachsen“ sein wird.
Bei der Sammlung von Arten, die auf Gehölzen zu finden sind, hieß es dann „Köpfe zusammenstecken“. Und am Beispiel der Brückenspinne wurde es auch umweltpolitisch – es ging um das Thema Lichtimmissionen, von denen auch Spinnen negativ betroffen sind.
Mit obsidendify weitermachen
An der Spaltenkreuzspinne wurde letztlich die Leistungsfähigkeit des kostenlosen Bestimmungsprogramms obsidentify erfolgreich getestet. Eine seit Jahren immer leistungsfähiger werdende App – und ein Weg, auch nach der Exkursion am Thema zu bleiben.
Wichtiger Hinweis von Stephan am Schluss: Der Kreis der an dieser spannenden Artengruppe arbeitenden Menschen ist sehr klein. Bei Spinnen lässt es sich also leicht zum Experten und zur Expertin bringen – wenn man die Begeisterung entwickelt, die Stephan nicht mehr loslässt, wie das nachfolgende Interview von vor der Exkursion deutlich macht.
Stephan, du bist Spinnenexperte. Dein Expertentum drückt sich durch große Begeisterung aus. Wann denkst du das erste Mal morgens an Spinnen?
Das kommt etwas auf das Tagesprogramm an. Wenn eine Exkursion geplant ist ggfs. schon nach dem Klingeln des Weckers. Ansonsten spätestens nach dem Frühstück beim zweiten Kaffee: E-Mail und WhatsApp checken; irgendwas mit Spinnen ist immer dabei. Manchmal sitze ich mit dem zweiten Kaffee auch schon am Mikroskop. Manchmal noch/schon um 2 Uhr morgens 😉.
Wie bist du zu(m) Spinnen gekommen?
Ich fand Spinnen früher eklig. Das hat mir genervt und ich habe mich absichtlich mit ihnen befasst um den Ekel abzubauen. Dann folgte eine Faszination trotz Ekel. Ähnlich dem Grund warum Leute Horrorfilme gucken vielleicht … . Und dann konnte ich nicht mehr aufhören, weil es plötzlich normal und spannend war, sich mit Spinnen zu beschäftigen.
Die beste Frage, die du bei Vorträgen stellst?
Wie viele der etwa 1.000 einheimischen Spinnen sind giftig?
Und die Antwort?
Etwa 1.000. Nur drei Arten aus zwei Gattungen sind ungiftig.
Ein verbreitetes Missverständnis. Wie steht es um die Gefährdung von Spinnen?
Es gibt leider keine „Krefelder Studie“ zu den Spinnen. Man kann diesbezüglich also nur Vermutungen anstellen. Es gibt nur lokale Studien und die auch nur über geringere Zeiträume als die Studie zum (Flug-)Insektensterben. Diese zeigen jedoch ebenfalls einen massiven Rückgang der Anzahl von Spinnen in den untersuchten Lebensräumen. Insekten sind die Grundnahrungsquelle für die allermeisten Spinnenarten. Weniger Insekten führen zur Beuteknappheit und zu einer geringeren Anzahl an Spinnen. Darüber hinaus wirken dieselben Stressoren auf die Spinnen wie auch auf Insekten: Lebensraumschwund, Pestizideintrag, Klimawandel etc.. Aufgrund fehlender Beliebtheit und Popularität von Spinnen gibt es nur wenige Bearbeiter. Vermutlich gibt es deshalb auch weniger geschützte Arten als es gefährdete Arten gibt.
Und was können wir konkret tun, um Spinnen zu helfen?
Begeisterung für diese Tiergruppe teilen! Popularität seltener Spinnenarten erhöhen, Hürden wie „Ekel“ abbauen. Das „Naturgucken“ muss zum „Volkssport“ werden, um der Entfremdung des Menschen von der Natur entgegenzuwirken. Das kommt dann letztlich allen Arten zugute. Je mehr Interesse an einer Sache besteht, je „gesellschaftstauglicher“ sie also ist, desto mehr kann sie im Dialog auch von Fachleuten oder der Politik auftauchen und Berücksichtigung finden.
Einiges von Stephan Lauterbach im Netz
Und einige Spinnen-Seiten
Atlas der Spinnentiere Europas
„SPINNE DES JAHRES“ (Übersicht von 2000 bis heute)