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BUND-Kreisgruppe Essen

Wespe

Keine Angst vor wilden Tieren!

Wer kennt das nicht? Man sitzt gemütlich in seinem Garten, die Sonne scheint, die Hummeln naschen am Lavendel, das Beet mit den Wildblumen ist auch gut besucht. Oh wie schön, ein Schmetterling hier und eine Amsel dort. Wie herrlich ist doch die Natur!

Doch dann wird diese Idylle jäh zerstört. Sobald man sich eine Bratwurst oder ein Glas Limo gönnen will sind sie plötzlich da, Arschlöcher mit Flügeln, nicht ein oder zwei, sondern gleich 10 bis 20, die sich auf Essen und Getränke stürzen.

Wespen! Die sind doch nun wirklich zu gar nichts gut?!

Doch sind sie!

Zugegeben, sie können ganz schön nerven, wenn sie am Grillabend mit ihrer Verwandtschaft vorbeischauen und einfach nicht mehr verschwinden wollen.

Genau genommen handelt es sich bei diesen Besuchern um die zwei häufigsten Wespenarten in Deutschland und zwar um die gemeine Wespe (Vespula vulgaris), sowie die deutsche Wespe (Vespula germanica), die ihrer gesamten Gattung (es gibt einige hundert Wespenarten in Deutschland) diesen schlechten Ruf verschafft haben. Und auf diese beiden Arten werde ich im Folgenden weiter eingehen.

Wenn wir uns ein wenig mit diesen Tieren beschäftigen werden wir sehr schnell feststellen, dass sie in der Natur ebenso eine wichtige Rolle spielen wie die deutlich beliebteren Bienen oder Hummeln.

-Wespen sind TOP Schädlingsbekämpfer. Sie jagen Mücken, Fliegen, Blattläuse und andere Insekten.

-Wespen bestäuben Blüten, im Gegensatz zu Bienen fliegen sie auch bei kühlem Wetter, sowie bei Wind und Regen

-Wespen sind Aasfresser und helfen dabei, dass durch verwesende Kadaver keine Krankheiten übertragen werden können

-Außerdem dienen sie vielen anderen Tieren als Nahrung. Igel, Dachse und Vögel ernähren sich von der proteinhaltigen Wespenbrut und der Wespenbussard hat sich sogar darauf spezialisiert.

Nun wissen wir, dass Wespen eine wichtige Rolle in der Natur spielen, aber warum sind sie nur so nervig und wie kann man mit ihnen auskommen?

Im Frühjahr fliegen die ersten Königinnen aus. Sie sind die einzigen Überlebenden eines Wespenstaates, der im Hochsommer noch aus vielen hunderten von Tieren bestand. Die Arbeiterinnen überleben den Winter nämlich nicht. Die Königin wird, sobald sie einen geeigneten Platz gefunden hat mit dem Nestbau beginnen. Das Nest vom Vorjahr wird sie nicht wieder benutzen. Sie ist die einzige Wespe im Nest die Eier legen kann. Sobald sie genug Arbeiterinnen ausgebrütet hat, wird sie sich also ausschließlich darum kümmern. Die Arbeiterinnen müssen die Brut versorgen und die Königin beschützen. Da die Liste der natürlichen Feinde groß ist, muss auch die Anzahl der Arbeiterinnen groß sein, damit das Nest mit der Königin und der Brut unter allen Umständen geschützt werden kann. Stirbt die Königin, stirbt das ganze Volk.

Was macht Wespen aggressiv?

Große dunkle Schatten in der Nähe des Nestes deuten auf einen Fressfeind hin.

Kohlenmonoxid befindet sich in der Atemluft von Säugetieren. Diese sind potentielle Fressfeinde.

Erschütterungen in der Nähe des Nestes können dieses beschädigen und die Waben zerstören, außerdem sind sie ein Hinweis auf einen potentiellen Fressfeind.

Wespen sind also aggressiv, wenn sie sich oder das Nest bedroht sehen. Dabei „helfen“ Wespen sich gegenseitig. Wird eine Wespe attackiert signalisiert sie durch Duftstoffe anderen Tieren Gefahr.

Solange sich Wespen nicht bedroht fühlen, sind sie friedlich.

Warum nerven Wespen am Esstisch?

Wespen brauchen Fleisch für ihre Brut. Im Normalfall erbeuten sie Insekten oder zerlegen Aas und füttern damit ihre Jungen, im Gegenzug sondern die Larven eine süßliche Flüssigkeit ab, von der die Arbeiterinnen sich ernähren. Fliegen kostet Energie, also suchen die Arbeiterinnen möglichst nahe beim Nest und müssen ihre eigenen Reserven regelmäßig auffüllen. Sie brauchen also Fleisch für die Brut und süße Säfte, Nektar oder Obst für sich selbst. Und davon jede Menge. Jetzt stelle man sich vor wie der Kaffeetisch auf eine Wespe wirkt. PERFEKT! Beides an einem Fleck reichlich vorhanden.

Haben Wespen einmal einen guten Futterplatz entdeckt werden sie ihn solange anfliegen, bis sie dort nichts mehr finden.

Das ist gut für uns, wenn sie Aas zerlegen oder solange zurückkehren, bis die letzte Blattlaus und Mücke vertilgt ist. Schlecht für uns, wenn wir in Ruhe unsere Bratwurst und unser Stück Kuchen verspeisen wollen.

Besonders schlimm wird es, wenn im Hochsommer die Nester auf ihrem Höhepunkt sind. Viele Tiere sammeln gleichzeitig in einem Gebiet, in dem das Nahrungsangebot immer knapper wird. Außerdem eilt es! Jetzt müssen so viele Jungköniginnen und Drohnen (das sind die Männchen) wie möglich aufgezogen werden um das weitere bestehen der Art zu gewährleisten. Die neuen Königinnen müssen besonders gut gefüttert werden, damit sie stark genug sind den Winter zu überstehen. Sie sind die einzigen Überlebenden von den mehreren hunderten von Tieren die ein Nest bewohnen. Im Herbst, wenn die alte Königin stirbt löst sich das Nest auf. Die Arbeiterinnen sterben nach und nach, die jungen Königinnen verlassen das Nest und suchen sich einen sicheren Platz zum Überwintern, um im nächsten Jahr ihr eigenes Nest zu bauen und ihren eigenen Staat zu bilden.

Wenn einem die Wespen im Sommer lästig werden, hat das also einen guten Grund. Doch was kann man tun, wenn es allzu arg wird?

Schutzgelderpressung?

Wie wäre es, wenn wir einfach mit ihnen teilen?

Die Wespen in meinem Garten haben genug zu tun. Sie bekommen von mir Hühnerherzen für ihre Brut, Apfel und Weintrauben zum Energie auftanken. Sie haben keinen Grund weiter auszuschwärmen und mich am Kaffeetisch zu belästigen.

Selbst diesen Apfel, der nur wenige Meter weiter auf dem Boden lag haben sie, zur Freude der Ameisen verschmäht.

Zum Dank für meine freundliche Gabe haben die Wespen sämtliche Blattläuse in meinem Garten vertilgt und ich hatte in diesem Sommer nicht einen einzigen Mückenstich. Wespenstiche natürlich auch nicht ?

Gastbeitrag von Verena Karczewski aus Essen

Vielen Dank ☺

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