BUND-Kreisgruppe Essen

Rückschau der AG Wasser zur Exkursion in das Bachsystem des Schellenberger Waldes

26. November 2020

Die vierte Tour der AG Wasser am Sonntag, 4.10.2020

 (Martin Kaiser)

Bei wunderbarem Wanderwetter erkundeten 30 Teilnehmende mit der AG Wasser des BUND Essen am 4. Oktober den Schellenberger Wald mit seinen Bächen (hier geht´s zu den Bildern). Das Interesse in Zeiten des Klimawandels mehr über die Bäche vor unserer Haustür zu erfahren, war gewaltig und hatte die AG in Corona-Zeiten vor einige organisatorische Aufgaben gestellt. Diese wurden aber gemeistert und die Gruppe setzte sich diszipliniert fast pünktlich in Bewegung. Maike Wissing und Andreas Bolle hatten zuvor kompetent in das Thema eingeführt. Warum der Bach, in dem die Hunde immer baden konnten, seit zwei Jahren fast immer trocken blieb, deuteten schon die ersten Übersichtsblätter an: Als ehemaliges Bergbaugebiet durchzieht das Gebiet zahlreiche alte Stollen und die sich über Jahrzehnte immer engere Randbebauung vermindert eine Versickerung, die ein Bach nun einmal in seinem Einzugsgebiet braucht. Der spürbare Klimawandel mit seinen auch in Essen wesentlich geringeren Niederschlägen in 2018/19 trug seinen Teil dazu bei. Da war die Frage, ob ein trockengefallener Bach denn trotzdem noch ein Gewässer im eigentlichen Sinne war, nicht weit hergeholt! Glücklicherweise sah die Gruppe aber auch Teile eines fließenden Schellenberger Bach, den Andreas Bolle so beschrieb: „So sieht hier ein typischer naturnaher Bach aus: Von hohen Bäumen, die Schatten spenden umsäumt und mit viel Totholz in seinem Verlauf“. „Das viele organische Material von Ästen, Zweigen und Laub ist für die im Bach lebenden Tiere vielfältiger Lebensraum“, ergänzte Limnologin (Süßwasserkundlerin), Maike Wissing. Nicht ohne auf die menschen-gemachten Knackpunkte aufmerksam zu machen: Da, wo der Bach unter Wegen geführt werden musste, gab es in den Rohren sog. „Abstürze“, also kleine Wasserfälle am Ausgang des Rohrs: Für die Tiere, die die Sohle des Bachs bewohnen und bachaufwärts wandern wollen, ist dies ein unüberwindliches Hindernis. Eigentlich hatte da auch „niemand die Absicht eine Mauer zu bauen“, aber im Endeffekt ist dies natürlich trotzdem schlecht für ein Ökosystem.

So weitete sich allmählich der Blick auf die Dinge und Strukturen an denen viele von uns bisher achtlos vorbeigegangen sind.

Den Blick der Teilnehmenden auch in die Höhe zu richten, war Aufgabe von Thomas Hübscher, der als Baumschutzexperte der Anfrage der AG gerne nachgekommen war, über die Bäume im Schellenberger Wald zu berichten. Die auch klimabedingten Stürme hatten viele Lücken gerissen. „Glücklicherweise dient unser Stadtwald der Erholung und darf im Sinne von „Ökosystemleistungen“ (Wasserspeicher, CO2-Senke; Lebensraum für Tiere und Pflanzen) einfach nur Wald sein“. Allerdings nur da, wo geschwächte Bäume den Besuchern nicht auf den Kopf fallen können. Die Auslegung dieser „Verkehrssicherungspflicht“ wird auch unter Naturschützern immer wieder kontrovers diskutiert, was aber keine Aufgabe dieses Tages war (siehe dazu auch unser Artikel).  Zufrieden wies Thomas Hübscher auf die „Naturverjüngung“ hin: Da, wo der Sturm vor Jahren Lücken geschlagen hatte, spross bereits neues Grün. Seinem geschulten Blick entgingen allerdings nicht auch zahlreiche kranke Bäume, die ebenso viele (für die meisten unbekannte) Krankheits-Namen hatten: Eschentriebsterben, Rußrindenkrankheit und noch mehr. Interessant waren aber die Hinweise auf die Strukturen und Abwehrmechanismen der kranken Bäume. „Da hat sich auch unsere Einschätzung im Baumschutz geändert“, gab Hübscher zu. „Eine so umfangreiche Baumchirurgie wie in den 1980iger Jahren mit dem Abtragen toter Holzbereiche und stützender Gerüste, betreiben wir heute nicht mehr.“ „Da haben wir gelernt, dass sich die Bäume auch ganz gut selber helfen können.“ Dass er selbst dann an einer alten Buche Halt machen konnte, deren Stammverletzung er als Forstwirtschaftslehrling mit dem LKW noch selbst miterlebt hatte, war dann fast wie ein Geschenk. Direkt am Wegrand stehend, hatte die Buche es trotzdem geschafft, die Verletzung auszugleichen.  Als es bereits dämmerte, gelangten die Teilnehmenden auf dem Rundkurs zurück zur Ausgangsposition. „So habe ich meinen Wald und den Bach noch nie gesehen, vielen Dank“, sagte eine ortsansässige Teilnehmerin. Das freute die AG Wasser besonders, da es doch immer ihr Anliegen ist Herz und Blick für unsere Stadtnatur zu öffnen, ganz nach der Devise der Umweltpsychologen: „Man liebt nur das, was man kennt“ und schützen tun wir alle nur das, was wir in seinem Wert erkennen! Aber das gilt ja nicht nur für den Schellenberger Wald und seine Gewässer!

In diesem Sinne freut sich die AG Wasser auf die nächste „Gewässerschau“. Geplant ist diese im Februar 2021 und soll (natürlich coronakonform) an den schönen Hesperbach im gleichnamigen Tal gehen. Nach dem letzten Ansturm an Interessenten nehmen wir bereits jetzt gerne Anmeldungen entgegen: martin.kaiser(at)bund-essen.de

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