BUND-Kreisgruppe Essen

Rubrik "Wirtschaftsliteratur"

It's the economy, stupid!

Der obige Slogan wurde während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 1992 von einem Berater Bill Clintons geprägt. Er wollte damit deutlich machen, dass Clinton mit einer Fokussierung auf wirtschaftliche Themen die Wahl gewinnen würde.

Als Umwelt- und Naturschützer*innen sind wir es seit vielen Jahren gewöhnt, dass unsere – zumeist wissenschaftlich solide untermauerten — Forderungen mit einem Verweis auf „die Wirtschaft“ oder „die Arbeitsplätze“ abgelehnt oder verwässert werden.

Ich selbst bin ein ausgebildeter Naturwissenschaftler, der seit fast 30 Jahren im Umwelt- und Naturschutz arbeitet. Vor einigen Jahren habe ich mich daran erinnert, dass ich während meiner ersten Berufsjahre ein Zusatzstudium „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ fast zu Ende gebracht hätte („fast“, weil ich letztlich neben der täglichen Projektarbeit und dem Aufbau eines eigenen Unternehmens nicht mehr die Kraft hatte, das Studium abzuschließen). Aber ich durfte mich einige Jahre neben meinem Beruf in volks- und betriebswirtschaftliche Theorien einarbeiten. Die betriebswirtschaftliche Praxis habe ich in meinem Unternehmen gelernt, das ich seit vielen Jahren erfolgreich führe.

Seit 2008, dem Jahr, in dem klar wurde, dass die herrschenden Wirtschaftskonzepte massiv und vollständig gescheitert sind, beschäftige ich mich wieder verstärkt mit ökonomischen Themen.

Und ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, wie es sein kann,

  • dass Umwelt- und Naturschützer*innen seit mehr als 40 Jahren auf  Probleme aufmerksam machen, ihre Positionen und Meinungen regelmäßig durch Fakten (oft in Form von Katastrophen) bestätigt werden, aber trotzdem keine nachhaltigen Maßnahmen ergriffen werden, während gleichzeitig
  • ökonomische Theorien, die die Wachstumsfixierung, die „freie Marktwirtschaft“ und die ungezügelte Globalisierung – also kurz, den „Neoliberalismus“ — propagieren, sich immer wieder als falsch erwiesen haben und
  • Prognosen von sogenannten „Wirtschaftsweisen“ seit Jahrzehnten immer wieder daneben liegen, aber dennoch das neoliberale Wirtschaftsmodell unantastbar bleibt und die herrschende Politik sich mit allen wichtigen Entscheidungen auf die regelmäßig widerlegten „Expert*innen“ stützt.

Schaut man nur auf den jeweiligen Wortstamm, sollten sich Ökonomie und Ökologie eigentlich sehr ähnlich sein. In beiden Wörtern kommt das griechische „oikos“ (Haus, Haushalt) vor. Der geringfügige Unterschied steckt im zweiten Wortteil. Während „-nomik“ von „nomos“ (Gesetz, Regel) abstammt, kommt „-logie“ von „logos“ (Wort, aber auch Wissenschaft). Ökonomik untersucht laut Wikipedia „den rationalen Umgang mit knappen, also nur begrenzt verfügbaren, Gütern.“ Die Ökologie als Teildisziplin der Biologie untersucht dagegen „die Beziehungen von Lebewesen (Organismen) untereinander und zu ihrer unbelebten Umwelt“.

Ich möchte in dieser Reihe, in der ich im Wesentlichen aus meiner Sicht wichtige Bücher und andere Dokumente besprechen (und nur manchmal „selber laut denken“) werde, dazu beitragen, dass wir Ökolog*innen uns mehr mit unserer „Schwesterwissenschaft“ auseinandersetzen, um dann in den auch in Zukunft zu erwartenden Diskussionen mit „Ökonom*innen“ jedweder Art solider argumentieren zu können. Außerdem will ich versuchen aufzuzeigen, welchen Mehrwert es haben kann, wenn man ökonomische Fragestellungen und Probleme mit ökologischen Sichtweisen und Methoden betrachtet und analysiert – ein Weg, der bereits von immer mehr Ökonom*innen eingeschlagen wird, auch wenn dies in der herrschenden Berichterstattung (und Hochschullehre) kaum vorkommt.

von Andreas Müller

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