Die Margarethenhöhe summt und brummt – Biodiversität in der Gartenstadt
Eine Projektbeschreibung der Margarethe-Krupp-Stiftung mit den Naturschutzverbänden
Der Beginn der Zusammenarbeit
Die Margarethe-Krupp-Stiftung (MKS) und die drei Naturschutzverbände BUND-Kreisgruppe Essen, NABU Ruhr e.V. und der Naturgarten e.V. v. verabredeten im Jahr 2024 eine Zusammenarbeit. Ziel ist die Margarethenhöhe in der Zusammenarbeit mit geeigneten Maßnahmen im Sinne des Artenschutzes vielfältiger, noch attraktiver und lebendiger zu gestalten. Dazu gehört die Etablierung von extensiven Wiesen mit reichhaltigen Blühangeboten und in der Folge Habitate für Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken und Co. Diese wiederum sind u. a. Nahrungsgrundlage für zahlreiche Vögel in der Gartenstadt.
Planungsvorarbeiten und Nachhaltigkeitsprämissen
Was einfach klingt bedurfte einer guten Planung:
Die erste Verabredung der MKS mit den Verbänden war die Anlage einer Blühwiese mit regionalem Saatgut an der Sommerburgstraße im sog. Abstandsbegleitgrün zwischen den Hausnummern 237 und 241/243.
Die Naturschutzverbände begannen mit der Vermaßung der Fläche. Hier ging es darum für eine Wiese notwendige sonnige Flächen zu bestimmen und bei einer Bodenvorbereitung den Trauf der Bäume auszusparen, um das Wurzelwerke der Bäume nicht zu schädigen. Heraus kam eine Fläche von 825 Quadratmetern, die mittels einer schlichten Einfriedung gekennzeichnet werden sollte.
Vermessen der ersten Wiesenfläche an der Sommerburgstraße – Juli 2024
Da die Fläche lange Zeit in der sog. Mulchmahd gepflegt wurde, war nach einer ersten Bestandsaufnahme durch die BUND-Botanikerin Sabine Hurck klar: Nur durch eine reine Pflegeumstellung von einer Intensiv-(mulch)-mahd zu einer extensiven Pflege (2 x im Jahr mähen und Abtragung des Mahdguts) würde die Fläche keine vielfältigen Blühaspekte mehr hervorbringen. Beschlossen wurde also eine Neueinsaat mit regionalem Saatgut. Da die BUND-Kreisgruppe auf ihren Modellflächen auf dem Terrassenfriedhof schon gute Ergebnisse mit einer Saatgutmischung von 50 % Kräutern und 50 % Gräsern gemacht hatte, wurde diese ausgewählt. Als geeignete Bodenvorbereitung, um die Aussaat aufzubringen und die vorhandenen konkurrenzstarken Gräser zu schwächen, wurde ein Pflügen mit kleinem Pflug ins Auge gefasst. Da es für diese Art der Bodenvorbereitung aber keine Anbieter in der näheren Umgebung gab, erstellte Alfred Dübbert, der Gärtnermeister der AG Artenschutz der BUND-Kreisgruppe einen Ausschreibungstext für das mehrmalige Trockenfräsen der Fläche (siehe hier). Die Naturschutzverbände konnten dann nach Angebotseinholung verschiedene GaLa-Bau-Unternehmen mit ihren jeweiligen Angeboten der MKS präsentieren. Den Zuschlag erhielt die Fa. Trautmann aus Essen-Frintrop, die die Fläche dann dem Konzept entsprechend bearbeiten, einsäen und einfrieden konnte.
Den Naturschutzverbänden war es bei der Neuanlage der Wiese an der Sommerburgstraße wichtig keinen neuen Sand zur Abmagerung der Fläche einzusetzen, da auch Sand inzwischen eine knappe Ressource ist. Dafür Flächen am Niederrhein zur Sandgewinnung abzubaggern, um sie hier mit viel Aufwand wieder einzusetzen, entspricht nicht einem nachhaltigkeitsbewussten Umgang. Allerdings sind die Ergebnisse bei nährstoffreichen Wiesen häufig besser, wenn Einbringen von Sand zur Nährstoffabreicherung und Lockerung des Bodens eingearbeitet wird. Deshalb entschloss sich die Arbeitsgemeinschaft Sand aus ortsnaher Zweitnutzung zu verwenden. Durch die guten Kontakte von Alfred Dübbert gelang die Herbeischaffung von Sand aus Spielplätzen der Stadt Essen, die sowieso gerade ausgetauscht werden sollten. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Knapp 40 Kubikmeter Sand konnten so beschafft, auf der Fläche vorab zwischengelagert und dann eingearbeitet werden.
„Künstlerpech“ oder: manchmal kommt es anders …
Kurz nach erfolgter Bodenvorbereitung, Sanden und Ansaat kam dann der Rückschlag: Die Hälfte der gerade frisch eingerichteten Wiese musste wegen Zuleitungen zur Gasverteilstelle zurückgenommen werden. Diese Maßnahme war jahrelang geplant, dann plötzlich und überraschend in die Umsetzungsphase gelangt.
Die durch Bautätigkeit reduzierte Wiese an der Sommerburgstraße
Die Beteiligten nahmen es relativ gelassen und vereinbarten eine Wiederherstellung nach Abschluss der Bauarbeiten. Diese endeten im Frühjahr 2025. Die Wiese hatte inzwischen auf der übrig gebliebenen Fläche ein sehr gutes Blühergebnis mit zahlreichen Blühaspekten. Eine botanische Analyse unserer Botanikerin Sabine Hurck lesen Sie hier.
Weitere Flächen an der Borkumstraße
Die „halbe“ Wiese blüht an der Sommerburgstraße – Juni 2025
Der Erfolg auch der „halben“ Wiese ermutigte die Margarethe-Krupp-Stiftung dann kurzfristig in ähnlicher Weise in unmittelbarer Nähe der Wiese an der Sommerburgstraße drei weitere Teilflächen an der Borkumstraße anzulegen. Auch diese brachten ein sehr gutes Blühergebnis hervor.
Weitere Flächenpotentiale, Wildbienen und Öffentlichkeitsarbeit
In einem weiteren Treffen der Verbände mit der MKS wurden dann weitere Flächen am Helgolandring für eine Neuanlage und Pflegeumstellung ins Auge gefasst. Diese sollen noch in 2025 in Angriff genommen werden.
Als Zwischenstand des Projekts präsentieren die MKS mit den Verbänden das Erreichte mit einem Pressetermin am 27.08.25 vor Ort. Die Presseerklärung lesen Sie hier. Ein Schild wird darüber hinaus die Anwohnerschaft über das Wiesenprojekt informieren:
Die extensive Pflege der Wiesen mit Abtragung des Mahdguts übernimmt in Zukunft der NABU Ruhr mit seiner naturschutzfachlichen Expertise und seinem darauf abgestimmten Gerätepark. Dazu gehören Balkenmäher, Schwader (Video) und Ballenpresse (Foto, Foto, Foto). Die kleinen Geräte unterstützen eine insektenschonende Pflege der Wiesen. Im Mahdregime werden die Flächen insektenschonend mit einer sogenannten Mosaikmahd gemäht, um temporäre Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Ein Teil der Wiesen (ca. 10 - 20 %) wird dabei überjährig stehen gelassen, um Insekten eine Überwinterungsmöglichkeit zu geben.
Zusammen mit Sabine Senkel, der Wildbienenspezialistin des Naturgarten e. V., geht die Stiftung auch den Insektenschutz an. Ein großer repräsentativer Wildbienenstand (Bild) ist eine Erweiterung zu den blühenden Wiesen, die für die Bestäuber Nahrung und Lebensraum sind. Er soll im März 2026 durch den BUND an einer der Blühflächen erstellt werden.
Die Stiftung fördert den Insektenschutz darüber hinaus mit der Produktion einer kleinen Serie handlicher Wildbienenstände, die noch in der Konzeption und Produktion sind und ebenfalls Anfang März 2026 mit der Aufstellung des großen Wildbienenstandes fertig vorliegen werden.
Weitere Projekte wie die Förderung der Gebäudebrüter (Schwalben, Mauersegler etc.) sind beginnend mit einem Projekt für den Spatz (Haussperling) im Gespräch.
„In der Summe geht es uns mit den Verbänden darum positive Geschichten des Gelingens in die Gartenstadt und darüber hinaus zu vermitteln, die im eigenen Handeln Vorbildcharakter in Sachen Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimaanpassung haben“, so Michael Flachmann von der MKS. Ein Zielpunkt ist die Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 (kurz: IGA 2027), an der sich die MKS programmatisch beteiligt
Weitere Informationen finden Sie in Zukunft an dieser Stelle.
Bei Fragen können Sie sich gerne unter artenschutz(at)bund-essen.de melden.