Die AG Artenschutz hat im Jahr 2022 im Rahmen der erstmaligen Hängung von über 40 Nistkästen zusätzlich auch Fledermauskästen auf dem Terrassenfriedhof angebracht. Ziel war es, den lokalen Fledermausschutz zu stärken und mehr über die vorkommenden Arten zu erfahren.
Fachliche Begehung mit Fledermaus-Spezialistin
Um weiteren fachlichen Input zu erhalten, konnte die AG Artenschutz am 1. Februar gemeinsam mit der Fledermaus-Spezialistin Frauke Krüger eine Begehung der Fledermauskästen auf dem Terrassenfriedhof durchführen.
Standorte der Fledermauskästen
In Absprache mit der Friedhofsverwaltung wurden:
- Flachkästen an der alten Scheune (Betriebshof) angebracht
- Rundkästen auf den parkähnlichen Flächen nahe des Eingangs Kaldenhoverbaum installiert
Neben der Kontrolle der Kästen schärfte Frauke Krüger den Blick der Teilnehmenden für Baumhöhlen und Spalten, die als mögliche Übertagungsquartiere für Fledermäuse dienen.
Fledermausarten in Essen und Mülheim
Von den 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind derzeit:
- 12 Arten in Essen und Mülheim nachgewiesen
- bis zu 15 Arten in der Region erwartbar
Fledermauskästen können für diese Arten als Übertagungsquartier, Fortpflanzungsstätte (Wochenstube) und – bei großen, spezialisierten Kästen – auch als Überwinterungsquartier dienen. Hauptsächlich erfüllen sie jedoch eine wichtige Rolle im Monitoring.
Monitoring und Zusammenarbeit im NABU-Netzwerk
Die AG Artenschutz plant daher, sich künftig mit dem Monitoring der Fledermauskästen in die größeren Netzwerke der Partnerorganisationen des NABU Ruhr einzubinden. Die erhobenen Daten sollen außerdem an den verbandsübergreifenden Landesfachausschuss Fledermausschutz NRW gemeldet werden.
Dafür ist es wünschenswert, die Kästen mindestens sechsmal jährlich zu kontrollieren, um einen zeitweisen Besatz festzustellen.
Technik für Artbestimmung und Monitoring
AG-Mitglied Harald brachte bereits die passende Kameraausrüstung mit, um bei Besatz eine Artbestimmung anhand von Fotos vornehmen zu können.
Zusätzlich wird das Monitoring künftig durch den Einsatz neu angeschaffter Audiomoth-Geräte ergänzt, die Fledermausrufe aufzeichnen.
Fledermausschutz und Wildwiesenpflege
Die Aktivitäten zum Fledermausschutz sind eng mit der Wildwiesenpflege auf dem Terrassenfriedhof verknüpft. Die angelegten Blühwiesen fördern den Insektenschutz und sichern damit die Nahrungsgrundlage aller heimischen Fledermausarten – ein wichtiger Bestandteil des langfristigen Artenschutzes.
Umgang mit aufgefundenen Jungtieren
Ein weiteres Thema war der richtige Umgang mit aufgefundenen oder verletzten Fledermaus-Jungtieren. Hierfür existieren ehrenamtliche Strukturen, die die Pflege übernehmen.
AG-Mitglied Sabine konnte aus eigener Erfahrung berichten, da sie bereits mit verletzten Tieren bei einem Tierarzt gearbeitet hat. Sie möchte sich künftig stärker engagieren, wodurch die Strukturen innerhalb der AG vielfältiger werden und Hilfe schneller verfügbar ist.
Wer Hilfe bei verletzten aufgefundenen Tieren benötigt, findet hier Unterstützung.
Dringender Handlungsbedarf im Fledermausschutz
Dass der Fledermausschutz in Essen dringend Unterstützung benötigt, zeigt auch der fahrlässige Wegfall eines bedeutenden Fledermausquartiers am Deilbach, den wir an anderer Stelle kritisch thematisiert haben.
Austausch, Ausblick und Mitmachmöglichkeiten
Der sonnige Nachmittag endete mit einem gemeinsamen Kaffee am Lagerplatz nahe des alten Haupteingangs des Friedhofs. Bei Kaffee und Kuchen wurde deutlich, dass an einigen Stellen Nachbesserungsbedarf besteht – etwa bei:
- verwitterten und abgestürzten Nistkörben für die Waldohreule
- fehlenden Nummernplaketten zur Identifizierung
- weitere Hängung von Fledermauskästen mit einem intensivierten Monitoring
Bis zur nächsten Saison bleibt dafür jedoch ausreichend Zeit.
Mitmachen & Kontakt
Die AG Artenschutz freut sich über Unterstützung und Anfragen unter: artenschutz(at)bund-essen.de
Wer darüber hinaus den gefährdeten Naturschutz in der EU-Gesetzgebung unterstützen möchte, kann dies über unsere Petition tun.